Yoga als gesundheitsförderliche Intervention im Kindesalter

7.9.21

von
Dustin Gläske

Bewegung und körperliche Aktivität im Kindes- und Jugendalter tragen zu einer gesunden physischen und psychischen Entwicklung bei. Sie helfen, Stress zu reduzieren und Übergewicht oder Adipositas vorzubeugen. Ebenso werden Konzentrations- und Leistungsfähigkeit gesteigert.1

Werden diese gesundheitlichen Effekte betrachtet, dann erscheint es umso besorgniserregender, dass gerade einmal jedes vierte Kind zwischen drei und 17 Jahren täglich mindestens 60 Minuten körperlich aktiv ist und so nach den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation über ausreichend Bewegung verfügt. Dabei nimmt der Anteil der Kinder, die sich im Alltag ausreichend bewegen mit zunehmendem Alter ab: Sind es in der Gruppe der Drei- bis Sechs-Jährigen noch 42,5% der Mädchen und 48,9% der Jungen, die über ausreichend körperliche Aktivität verfügen, sinkt dieser Wert in den höheren Altersgruppen kontinuierlich, bis er nur noch 7,5% unter 14- bis 17-jährigen Mädchen und 16% unter Jungen dieser Altersklasse ausmacht.1 

Die Folgen dieses unzureichenden Bewegungsniveaus werden ersichtlich, wenn man die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas unter Kindern und Jugendlichen in Deutschland betrachtet: So ist in der Altersgruppe der Fünf- bis 17-Jährigen beinahe jedes vierte Mädchen und etwas mehr als jeder vierte Junge übergewichtig. Unter den von Übergewicht betroffenen Kindern sind jedes vierte Mädchen und jeder dritte Junge adipös.2 Wesentliche Ursache für die Entstehung von Übergewicht ist, neben genetischen Faktoren, ein dauerhaftes Ungleichgewicht zwischen der über die Ernährung zugeführten Energie und dem Energieverbrauch mittels körperlicher Aktivität.3 

Auch das Stresserleben der Kinder und Jugendlichen ist stark ausgeprägt. So berichtet unter den Schülerinnen und Schülern der Klassenstufen fünf bis zehn ein Anteil von 30% oft und ein Anteil von 10% sehr oft gestresst zu sein.4 Darüber hinaus weisen unter den Drei- bis 17-Jährigen knapp jeder fünfte Junge und jedes sechste Mädchen psychische Auffälligkeiten auf.5

Dass sich körperliche Aktivität positiv auf die Gesundheit auswirkt, kann als allgemeiner Konsens bezeichnet werden, doch wie ist es mit einzelnen Sportarten im speziellen? Wie wirkt sich beispielsweise Yoga auf die physische und psychische Konstitution von Kindern und Jugendlichen aus? 

Yoga vereint Anspannung und Entspannung, achtsames Atmen und Meditation. Dabei haben bestimmte Übungen eher eine entspannende Wirkung, während andere der Kräftigung des Körpers und der Psyche dienen. Bei Kindern kann Yoga dazu beitragen Beweglichkeit und Koordination zu verbessern, das Selbstvertrauen zu stärken und die Konzentrationsfähigkeit zu fördern.6

Studien aus den USA kamen zu dem Ergebnis, dass Yoga im Kindesalter Stress reduzieren, negative Emotionen verringern und die allgemeine Lebensqualität steigern kann. Die Kinder werden also resilienter im Umgang mit Stressoren aus ihrer Umwelt. Gleichzeitig waren die Kinder nach der regelmäßigen Durchführung von Yoga-Übungen in der Schule leistungsfähiger, während Kinder, die anderweitig Sport betrieben, von Vorteilen der Atem-Übungen für ihre sportlichen Leistungen berichteten. Angstgefühle wurden weniger häufig empfunden. Außerdem konnte eine Steigerung des Selbstwert- und Körpergefühls der Kinder beobachtet werden.7

Eine weitere Studie, diesmal aus Indien, die über einen Zeitraum von drei Monaten die regelmäßige Anwendung von Yoga und des üblichen Schulsports verglich, kommt zu dem Ergebnis, dass Yoga vergleichbare Effekte wie der Schulsport auf die körperliche Fitness erzielt, also ebenso in der Lage ist, die körperliche Konstitution der Kinder positiv zu beeinflussen. Außerdem sind beide Maßnahmen geeignet, die kognitiven Fähigkeiten der Kinder zu steigern. Yoga sorgt jedoch für eine stärkere Verbesserung des Gleichgewichtssinns der Kinder und vor allem für eine deutlich ausgeprägtere Steigerung des Selbstvertrauens als der übliche Schulsport.8 

Abschließend soll hier noch auf eine letzte Untersuchung hingewiesen werden, die die Aufmerksamkeitsfähigkeit von Kindern mit und ohne Aufmerksamkeitsstörungen nach der Anwendung von Yoga betrachtet hat. Diese legt nahe, dass besonders Kinder, die von einem Aufmerksamkeitsdefizit oder Konzentrationsschwierigkeiten betroffen sind, von der regelmäßigen Anwendung von Yoga-Übungen profitieren und mit diesen ihre Aufmerksamkeitsfähigkeit deutlich steigern können.9

Es handelt sich bei Yoga also um eine Maßnahme, die, regelmäßig durchgeführt, umfangreiche positive Effekte auf die physische und psychische Verfassung von Kindern entfalten kann. Neben den grundlegenden positiven Auswirkungen von körperlicher Aktivität auf die Gesundheit steigert Yoga insbesondere die kognitive Leistungsfähigkeit, das Selbstvertrauen und die Konzentrationsfähigkeit der Kinder. Außerdem kann Yoga zu einer besseren Verarbeitung von Stress beitragen. Trotz der positiven Ergebnisse in Bezug auf die Auswirkungen von regelmäßig durchgeführtem Yoga bei Kindern sind weitere Studien wünschenswert, um die Aussagekraft der Ergebnisse zu erhöhen und die Erkenntnisse weiter zu diversifizieren.  

1 Robert Koch-Institut (2018). Körperliche Aktivität von Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Querschnittergebnisse aus KiGGS Welle 2 und Trends. In: Journal of Health Monitoring, 2018, 3(1). Berlin: Robert Koch-Institut.

2 Robert Koch-Institut (2018). Prävalenz von Untergewicht, Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Einordnung der Ergebnisse aus KiGGS Welle 2 nach internationalen Referenzsystemen. In: Journal of Health Monitoring, 2018, 3(3). Berlin: Robert Koch-Institut.

3 Robert Koch-Institut (2018). Prävalenz von Untergewicht, Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Einordnung der Ergebnisse aus KiGGS Welle 2 nach internationalen Referenzsystemen. In: Journal of Health Monitoring, 2018, 3(2). Berlin: Robert Koch-Institut.

4Andreas Storm (DAK-Gesundheit), Hrsg. (2019). Kinder- und Jugendreport 2019. Heidelberg: medhochzwei Verlag GmbH. 

5 Robert Koch-Institut (2018). Psychische Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Querschnittergebnisse aus KiGGS Welle 2 und Trends. In: Journal of Health Monitoring, 2018, 3(3). Berlin: Robert Koch-Institut.

6Schöppel, Sybille (2017). Kinderyoga – bewirkt Großes bei unseren Kleinen. In: Paediatrische Paedologie, 2017, 52: 26-31. Wien: Springer Verlag GmbH. 

7Nanthakumar, Chandra (2017). The benefits of yoga in children. In: Journal of Integrative Medicine, 2018, 16(1): 14-19. Elsevier B.V. 

8Telles, Shirley, Singh, Nilkamal, Bhardwaj, Abhishek Kumar, Kumar, Ankur, Balkrishna, Acharja (2013). Effect of yoga or physical exercise on physical, cognitive and emotional measures in children: a randomized controlled trial. In: Child and Adolescent Psychiatry and Mental Health, 2013, 7: 37. 

9Peck, Heather L., Kehle, Thomas J., Bray, Melissa A., Theodore, Lea A. (2005). Yoga as an Intervention for Children with Attention Problems. In: School Psychology Review, 2005, 34(3): 415-424.